invaliditätsversicherung

Unfallversicherung

Invalidität: Schicksalsschlag mit finanziellen Folgen

Durch eine Unfallversicherung lassen sich die finanziellen Folgen eines schwerwiegenden Unfalls abfedern. Denn gerade wenn es infolge eines Unfalls zu dauerhaften körperlichen Beeinträchtigungen kommt, fallen vermehrt Kosten durch Umbaumaßnahmen, Gehhilfen und andere Hilfsmittel an. Zudem können mit einer Zahlung aus einer Unfallversicherung Einkommensverluste in der Zeit einer beruflichen Umorientierung nach einem Unfall kompensiert werden. Gerade weil die gesetzliche Unfallversicherung bei Unfällen in der Freizeit nicht leistet, kann die private Versicherung einen wertvollen zusätzlichen Schutz bieten.

Unfallversicherung: Gesetzlich oder privat?

Bei der Unfallversicherung muss man zwischen der gesetzlichen und der privaten Unfallversicherung unterscheiden. Die gesetzliche ist Teil des deutschen Sozialversicherungssystems und sichert Arbeitnehmer, Schüler, Studenten und sogar Kinder, die eine Tagesbetreuungseinrichtung besuchen, bei Unfällen auf der Arbeitsstelle oder in der Bildungseinrichtung sowie dem Weg hin und zurück ab. Die Beiträge werden dabei nicht vom Versicherten, sondern beispielsweise vom Arbeitgeber entrichtet. Die Höhe der Beitragszahlungen richtet sich nach Branche, beruflichem Risiko aber auch der Finanzsituation des jeweiligen Versorgungswerks. So werden immer nur Beiträge in Höhe der Ausgaben erhoben, weshalb die Beiträge jährlich neu berechnet werden.

Eine Ausnahme bilden Selbständige und Freiberufler, die sich auch über die gesetzliche Unfallversicherung freiwillig schützen können. Sie zahlen selbst Beiträge in die Unfallkasse ein, wobei die Höhe des Beitrags ebenfalls vom persönlichen Unfallrisiko abhängig ist.

Die gesetzliche Unfallversicherung kommt dabei allerdings für einen Großteil der Unfälle nicht auf. Denn etwa 70 Prozent aller Unfälle geschehen in der Freizeit. Hier hilft nur eine private Unfallversicherung. Diese zahlt je nach Grad und Umfang der aus dem Unfall resultierenden Invalidität eine Versicherungssumme aus, die vom Versicherungsnehmer frei verwendet werden kann. So lassen sich beispielsweise notwendige Umbaumaßnahmen im Haus finanzieren oder Einkommensverluste kompensieren.

So funktioniert die private Unfallversicherung!

Bei Abschluss einer privaten Unfallversicherung ist genau vertraglich geregelt, wie hoch die Versicherungssumme ausfällt, wie die Gliedertaxe gegliedert ist und ob eine Progression vereinbart wird. Diese drei Faktoren entscheiden bei einem Leistungsfall, wie hoch die Zahlung an den Versicherten ausfällt.

Gliedertaxe

Nicht jeder Unfall führt zu einer vollständigen Invalidität, allerdings kann auch schon der Verlust eines Fingers zu Beeinträchtigungen beispielsweise im Beruf führen. Daher ist in der jeweiligen Gliedertaxe geregelt, bei welcher Verletzung es zur Auszahlung eines bestimmten Prozentsatzes der vereinbarten Versicherungssumme kommt. Beträgt diese 100.000 Euro und ist in der Gliedertaxe für den Verlust des Zeigerfingers ein Wert von 10 Prozent festgelegt, so werden in diesem Fall 10.000 Euro ausgezahlt. Umso gravierender die Verletzung, umso höher die Auszahlung. Dabei sind nicht nur der Verlust von Gliedmaßen oder Organen (bspw. ein Auge), sondern teilweise auch komplizierte Knochenbrüche oder der Verlust eines Sinns (Hören, Sehen, Geschmack) versichert.

Verlust/FunktionsunfähigkeitInvaliditätsgrad
Arm im Schultergelenk70 %
Arm bis oberhalb des Ellenbogengelenks65 %
Arm bis unterhalb des Ellenbogengelenks60 %
Hand im Handgelenk55 %
Daumen20 %
Zeigefinger10 %
anderer Finger5 %
Bein über der Mitte des Oberschenkels70 %
Bein bis zur Mitte des Oberschenkels60 %
Bein bis unterhalb des Knies50 %
Bein bis zur Mitte des Unterschenkels45 %
Fuß im Fußgelenk 40 %
große Zehe 5 %
andere Zehe 2 %
Auge 50 %
Gehör auf einem Ohr 30 %
Geruch 10 %
Geschmack 5 %

Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass es keine allgemeingültigen Gliedertaxen gibt, sondern diese von den Versicherungsgesellschaften selbst festgelegt werden. So gibt es selbst bei ein und demselben Versicherer zwischen verschiedenen Tarifen teilweise unterschiedliche Gliedertaxen.

Progression

Bei einer Unfallversicherung mit Progression werden die Leistungen erhöht, wenn ein bestimmter Invaliditätsgrad erreicht ist. Dieser Grad kann je nach Tarif bei 100 Prozent oder auch schon bei mindestens 26 Prozent Invalidität erreicht werden. Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro, einer Progression von 350 Prozent und Vollinvalidität wird beispielsweise eine Leistung von 350.000 Euro ausgezahlt.

Setzt die Progression schon bei einer geringeren Invalidität ein, dann ist die Steigerung hier gestaffelt.

Progressionsstaffel
0 % 225 % 350 %500 %
Invaliditätsgrad

Leistungen aus der Versicherungssumme der Invaliditätsversicherung (in %)

25 %25252525
30 %30354050
40 %405570100
50 %5075100150
60 %60105150220
70 %70135200290
80 %80165250360
90 %90190300430
100 %100225350500

Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Einige Tarife der Unfallversicherung bieten eine sogenannte Beitragsrückgewähr oder auch Prämienrückgewähr. Das bedeutet, dass der Versicherte am Ende der Vertragslaufzeit einen Teil der Versicherungsbeiträge zurückerstattet bekommt, wenn es zu keinem Leistungsfall kommt. Experten raten allerdings von diesen Tarifen ab. Denn der Sparanteil kann die Mehrkosten bei einer solchen Police nicht aufwiegen. Sinnvoller ist es, eine Unfallversicherung ohne Beitragsrückgewähr zu wählen und die eingesparten Beiträge in eine echte Geldanlage oder private Altersvorsorge zu stecken.

Alternativen zur Unfallversicherung

Neben einer Unfallversicherung haben Verbraucher anderweitige Möglichkeiten, sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls zu schützen. Gegen den Einkommensausfall bei Invalidität hilft beispielsweise eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch dann eine monatliche Rente zahlt, wenn die berufliche Tätigkeit infolge einer Krankheit oder psychischer Probleme nicht mehr ausgeübt werden kann.

Die Funktionsinvaliditätsversicherung oder Grundfähigkeitsversicherung zahlt hingegen dann die vereinbarte Versicherungssumme aus, wenn Grundfähigkeiten wie beispielsweise die Seh- oder Hörkraft verloren gehen. Die Funktionsinvaliditätsversicherung ist in der Regel günstiger als die Alternativen Unfall- oder Berufsunfähigkeitsschutz und empfiehlt sich Menschen, die keine Aussicht auf eine bezahlbare, anderweitige Absicherung haben.

Ist die Unfallversicherung sinnvoll? Auch für Kinder und Rentner?

Ob die Unfallversicherung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom persönlichen Lebenswandel ab. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass ein Großteil der Unfälle in der Freizeit geschieht und somit kein Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung gegeben ist. Dabei passen sich die Anbieter der Unfallversicherungen mittlerweile auch verschiedenen Personengruppen an. So gibt es Tarife für Kinder, die beispielsweise bei Schäden durch Vergiftung greifen. Unfallversicherungen für Rentner verbinden den Versicherungsschutz hingegen mit speziellen Angeboten wie zum Beispiel einem Hausnotruf. Dahingehend sind passgenaue Tarife zur Unfallversicherung durchaus sinnvoll.

Tipp

Steuer

Die Beiträge zur privaten Unfallversicherung lassen sich im Rahmen der Höchstbeiträge bei Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgabe steuerlich absetzen. Wird eine Rente aus der privaten Unfallversicherung bezogen, dann ist diese im Gegensatz zu den Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung nicht ohne weiteres steuerfrei. Ausschlaggebend hierbei sind die genaue Vertragsgestaltung und die Dauer des Bezugs der entsprechenden Leistungen für die Berechnung der jeweiligen Steuerpflicht.

Unfallversicherung: Aktuelle Tests

Es gibt zahlreiche Angebote zur Unfallversicherung auf dem Markt, die sich preislich auch hinsichtlich der Tarife für Singles, Familien und Senioren unterscheiden. Wer für sich oder seine Liebsten einen Unfallschutz abschließen möchte, kann sich zum Beispiel an aktuellen Tests namhafter Institute und Institutionen orientieren. Bei der Stiftung Warentest schnitten beispielweise 2015 die InterRisk mit dem Tarif „P 500 XXL MaxiTaxe“ und die SBH mit „P 500 Komfort“ als Testsieger und der Gesamtnote „sehr gut“ ab (Finanztest 10/2015).

Wer einen guten, günstigen Schutz benötigt und in einem ungefährlichen Beruf arbeitet, kann sich laut der Tester bei den folgenden Anbietern absichern:

  • CosmosDirekt („P 500 Basis“)
  • HanseMerkur („P 500 Grund + Gliedertaxe I“)
  • Häger („P 500 Kompakt“)
  • Huk24 („P 500 Kompakt“)
  • Bayerische („P 500 Optimal Komfort“)

Die Öko-Test hat in der Dezember-Ausgabe 2014 Unfallversicherungen für Senioren getestet. Dabei schnitt Arag „Premium mit Unfall-Schutzbrief“ und Interlloyd „Premium Plus mit Schutzbrief bei Hilfeleistungen“ am besten ab.

Ein weiterer umfangreicher Unfallversicherung Test aus dem Jahr 2015 stammt von Focus-Money (3/2015). Hier wurden 61 Tarife untersucht, von denen ein Drittel eine sehr gute Bewertung erhalten hat. Insgesamt sechs Anbieter im Test bieten dabei besonders umfangreiche Leistungen:

  • InterRisk – Konzept XL mit Standard Taxe
  • Janitos – Balance Trend
  • Swiss Life – Swiss Life-Primus
  • Waldenburger – Unfallversicherung
  • HUK24 – Unfallversicherung Classic
  • VHV – Klassik-Garant

Die Focus-Money hat ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur Franke und Bornberg im Jahr 2014 Unfallversicherungen für Kinder getestet. Der Testsieger Volkswohl Bund erreicht dabei die Bestnote 1,0. Allerdings weisen die Experten auch darauf hin, dass es bei den Policen erhebliche Beitragsunterschiede gibt und sich daher ein genauer Vergleich der verschiedenen Angebote lohnt.

Die besten Kinderunfallversicherungen:

  • Volkswohl Bund „Unfall Easy KomfortPlus mit Gliedertaxe L“
  • Gothaer „Unfallversicherung Top-Baustein Plus Deckung“
  • Häger „HUV Kompakt“
  • HUK-Coburg/HUK24 „Unfallversicherung Classic“
  • Janitos „Balance Trend“

Unfallversicherung Vergleich

Auch wenn Tests einen guten ersten Eindruck von der Angebotsvielfalt geben, ist es doch ratsam, mittels eines Unfallversicherung Vergleichs zu überprüfen, welche Unfallversicherung sich für den persönlichen Bedarf eignet. Denn ist eine bestimmte Progression gewünscht, dann wird sich voraussichtlich nicht bei jedem Anbieter ein entsprechender Tarif finden. Gerade Senioren haben zudem teilweise das Problem, dass die Unfallversicherung oft nur bis zu einem bestimmten Alter angeboten wird.

Ein Unfallversicherung Vergleich bietet somit nicht nur einen Hinweis darauf, wo es die günstigste Police gibt, sondern welche Angebote generell infrage kommen.

Tipp

Unfallversicherung Kündigung und Wechsel

Fällt bei einem Vergleich auf, dass die bestehende Unfallversicherung zu teuer ist oder zu wenige Leistungen bietet, dann kann der Vertrag in der Regel mit einer Frist von drei Monaten zum Jahresende gekündigt werden. Allerdings wird bei vielen Unfallversicherungen eine Mindestvertragslaufzeit von beispielsweise drei Jahren vereinbart. Ist diese Mindestversicherungsdauer noch nicht abgelaufen, dann ist eine ordentliche Kündigung des Vertrags nicht möglich. Ansonsten kann meist bis zum 30. September des jeweiligen Jahres gekündigt und die Versicherung zum neuen Jahr gewechselt werden.